Auszubildender kandidiert
bei der Landtagswahl für die DKP Brandenburg

Interview mit Daniel Fromm von der DKP Brandenburg

Hallo Daniel. Du bist in der SDAJ und der DKP Brandenburg sehr aktiv. Vergangenen Sonnabend, den 29. August wurdest Du in den Landesvorstand der DKP Brandenburg gewählt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Würdest Du deinen Weg bis hierher kurz beschreiben?

Ursprünglich komme ich ja aus der WASG. Wir wollten ein Gegengewicht zur Linkspartei.PDS bilden, weil wir mit deren Politik nicht einverstanden waren. Als es dann hieß, wir schließen uns mit denen zusammen zu „Die Linke“, bin ich, so wie viele andere auch, ausgetreten. Vorher konnte ich bei den Landesregierungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin genau beobachten, was eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei.PDS offenbart. Ich bin dann zur DKP gegangen, weil das einfach die bessere Alternative zur PDS war. Seit eineinhalb Jahren bin ich jetzt in der SDAJ Potsdam und auch in der DKP aktiv.

Wie wurdest Du politisiert?

Ich komme ursprünglich aus Oranienburg, einer Stadt mit zwei Konzentrationslagern und sehr präsenten Nazis. Gefühlte 90 Prozent der Jugendlichen sind da rechts eingestellt. Nazis haben öffentliche Plätze besetzt und ab einer bestimmten Uhrzeit ist es für Alternative gefährlich, sich dort zu bewegen. Das hat mich hauptsächlich politisiert. Und weil ich noch nie mit dem Strom geschwommen bin, habe ich mich auf die linke Seite geschlagen.

Du kandidierst zur Landtagswahl in Brandenburg am 27. September für die DKP. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Dadurch, dass ich mich selbst noch in einer Ausbildung zum Heilerziehungspfleger befinde und mit der SDAJ viele Aktionen im Bereich Jugend mache, habe ich viel mit der brandenburgischen Bildungspolitik zu tun. Ich möchte als unmittelbar Betroffener vor allem für diesen Bereich sensibilisieren.

Welche Punkte sind Dir dabei besonders wichtig?

Wichtig ist klarzustellen, das im Osten der Ausbildungspakt eindeutig gescheitert ist, aber in den Medien werden immer nur die Erfolge und geschönte Zahlen gezeigt. Es muss endlich durchgesetzt werden, dass Betriebe, die nicht ausbilden, in einen Topf einzahlen, aus dem dann wiederum die schulische Bildung unterstützt werden kann. Freiwilligkeit hilft hier nicht weiter, das haben wir schon ausreichend erfahren. Ein anderer Punkt ist die Privatisierung der Bildung. Meine Berufsschule ist zum Beispiel die einzige Schule für soziale Berufe in Potsdam, bei der man kein Schulgeld bezahlen muss. Gerade diese gesellschaftlich wichtigen Berufe müssen für alle frei zugänglich sein! Überhaupt muss die Chancengleichheit in der Bildung nicht nur auf dem Papier hergestellt werden. Derzeit betreiben die Herrschenden das Konzept der Elitenbildung. Der Rest der Bevölkerung darf verdummen.

Um diese und andere Forderungen zu erstreiten, ist in diesem Sommer der Bildungsstreik organisiert worden. Auch die Potsdamer SDAJ war mit dabei. Was sind Deine Schlussfolgerungen aus den Aktionen?

Der Bildungsstreik war ein absoluter Erfolg. Natürlich gab es Versuche, die Beteiligung am Streik zu verhindern. Beispielsweise habe ich Informationsmaterial für Auszubildende und Lehrkräfte an meiner Schule ausgelegt. Noch bevor die Pause begonnen hatte, war das gesamte Material verschwunden, weil der Hausmeister von der Direktorin Order bekommen hatte. Insgesamt drei Mal habe ich Material verteilt, damit etwas bei den Schülerinnen und Schülern ankam. Zum Streik in Potsdam kamen rund 4000 Schülerinnen und Schüler – trotz der Androhung, dass ihnen diese Zeit als Fehlstunden angeschrieben werden würde. Die Polizei hatte mit etwa 300 Personen gerechnet und musste schnell noch Verstärkung holen, da Jugendliche, die eine qualitativ hochwertige Bildung verlangen, so gefährlich sind …

Welche Themen bewegen Dich neben dem Wahlkampf im Augenblick?

Wir müssen verhindern, dass aus Potsdam eine Stadt wird, die sich nur um die Belange der Touristen kümmert und die Einwohner und Jugend immer mehr an den Rand der Stadt gedrängt werden. Schon lange aktuell sind die Kürzungen in der Potsdamer Jugendkultur. Es werden einfach alternative Clubs wie „Spartakus“ und „S13“ vorerst ohne Ausgleich geschlossen. Für das als Ersatz angekündigte „Freilandprojekt“, das einen Ort für die Jugendlichen bieten soll, haben wir zwei Demos organisiert und dem Bürgermeister einen spontanen Besuch abgestattet. Das Projekt ist bisher die einzige Alternative, die uns zu den Streichungen geboten wird. Für den Neubau des Stadtschlosses und der Garnisonskirche ist allerdings immer noch genügend Geld da. Das Ziel des Kapitals und der Herrschenden ist klar: Die Jugendlichen sollen möglichst keinen Platz haben, um sich zu treffen, so ihre Gedanken auszutauschen und zu organisieren und stattdessen werden ewig gestrige Prestigeobjekte aus dem Boden gestampft, die von den aktuellen Problemen ablenken sollen. Auch diese Tatsachen versuchen wir im Wahlkampf und danach noch mehr in das öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Ich danke Dir für das Interview und wünsche Dir und der DKP Brandenburg viel Erfolg am 27. September!

Jana Berg